Cannabinoid-Info · Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert am
Kiffen aufhören: Welche Unterstützung passt zu dir?
Redaktion WeedforfriendsWie wir recherchieren
Das Wichtigste in Kürze
- Du kannst Beratung nutzen, bevor eine Abhängigkeit diagnostiziert wurde.
- CBT und MET sind untersuchte psychosoziale Ansätze, keine Erfolgsgarantie.
- drugcom und das DHS-Verzeichnis erleichtern den Zugang zu Hilfen.
- Akute Krisen brauchen medizinische Versorgung statt eines Onlineprogramms.
Wann ist Unterstützung beim Aufhören sinnvoll?
Unterstützung ist sinnvoll, wenn du deinen Konsum verändern möchtest, aber allein nicht weiterkommst oder gesundheitliche, soziale oder berufliche Probleme bemerkst. Eine gesicherte Abhängigkeitsdiagnose ist keine Voraussetzung für ein erstes Beratungsgespräch.
drugcom erklärt die Beratungswege und beschreibt, wie professionelle Anlaufstellen bei unterschiedlichen Problemen unterstützen oder weitervermitteln können.
Du kannst auch dann Kontakt aufnehmen, wenn du gleichzeitig Gründe für und gegen das Aufhören siehst. Ambivalenz ist ein Thema für Beratung, kein Ausschlussgrund. Hilfreich ist, deine eigenen Anliegen benennen zu können: Geht es um Schlaf, Geldsorgen, Beziehungen, Konzentration oder das Gefühl, ohne Cannabis den Alltag nicht mehr zu bewältigen?
Eine Beratung soll dir helfen, Belastungen einzuordnen und passende Unterstützung zu finden. Sie ersetzt bei ausgeprägten Beschwerden keine medizinische Untersuchung. Wenn psychische Probleme schon vor dem Konsum bestanden oder auch unabhängig davon auftreten, sollten sie eigenständig betrachtet werden. Nicht jede Schwierigkeit lässt sich allein durch das Aufhören erklären oder lösen.
Was zeigen Studien zu CBT und MET?
Kognitive Verhaltenstherapie, kurz CBT, und motivierende Ansätze wie MET gehören zu den untersuchten psychosozialen Behandlungen bei problematischem Cannabiskonsum. Der Cochrane-Review von Gates und Kollegen beschreibt Vorteile bestimmter Interventionen, besonders kurzfristig.
Die Studien unterscheiden sich jedoch erheblich; anhaltende Abstinenz ist nicht bei allen erreichbar und langfristige Ergebnisse bleiben begrenzt.
CBT beschäftigt sich unter anderem mit Situationen, Gedanken und Verhaltensmustern, die mit Konsum verbunden sind. In der Therapie können alternative Reaktionen auf Belastungen und der Umgang mit starkem Verlangen bearbeitet werden. Das ist mehr als die Aufforderung, sich zusammenzureißen. Welche Inhalte passen, hängt von deinen persönlichen Schwierigkeiten und Ressourcen ab.
MET bedeutet Motivational Enhancement Therapy. Der Ansatz unterstützt die Klärung eigener Veränderungsgründe und Ziele, statt Druck oder Beschämung einzusetzen. In Studien werden solche Ansätze teilweise miteinander kombiniert. Aus einem positiven durchschnittlichen Studienergebnis folgt aber keine persönliche Erfolgsquote. Auch Intensität, Teilnahme und zusätzliche Probleme können sich unterscheiden.
Der Review ist eine zusammenfassende Arbeit aus 2016 und kein Beleg, dass jede heutige Beratungsform gleich wirksam ist. Frage bei einem Angebot nach Qualifikation, Vorgehen und den Möglichkeiten, die Unterstützung anzupassen. Wenn ein Ansatz nicht passt, kann ein anderer Zugang oder ein höherer Unterstützungsbedarf geprüft werden.
Welche offiziellen Beratungsangebote kannst du nutzen?
Du kannst online, telefonisch oder vor Ort Unterstützung suchen. drugcom bietet persönliche Online-Beratung und den Zugang zu Quit the Shit; das DHS-Suchthilfeverzeichnis unterstützt die Suche nach Einrichtungen.
Welcher Einstieg passt, hängt davon ab, ob du zunächst Orientierung, regelmäßige Begleitung oder eine persönliche Abklärung vor Ort brauchst.
| Zugang | Möglicher Nutzen | Grenze |
|---|---|---|
| drugcom-Online-Beratung | Persönliche Fragen zu Konsum und Veränderung besprechen | Keine medizinische Notfallversorgung |
| Quit the Shit über drugcom | Cannabisspezifische Beratung zur Veränderung nutzen | Keine individuelle Erfolgsgarantie |
| DHS-Suchthilfeverzeichnis | Örtliche Einrichtungen finden | Verzeichnis ersetzt kein Erstgespräch |
| Sucht & Drogen Hotline | Telefonische Orientierung und Vermittlung | Kostenpflichtig und kein Notruf |
Die Angaben beruhen auf den verlinkten offiziellen Angebotsseiten. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit heißt kurz BIÖG und war zuvor die BZgA; die Behördenübersicht des BMG bestätigt die neue Bezeichnung.
Ältere Broschüren oder Suchergebnisse können deshalb noch den früheren Namen tragen, ohne automatisch ein anderes Angebot zu meinen.
Quit the Shit ist ein cannabisspezifisches Beratungsangebot. Den erlaubten Einstieg findest du über drugcom. Bei der örtlichen Suche kannst du nach passenden Einrichtungen schauen und direkt nach Zugänglichkeit, Terminen und möglichen Kosten fragen. Ein Verzeichnis garantiert weder freie Plätze noch eine bestimmte Behandlungsform.
Für die Auswahl darfst du deine Bedürfnisse und bisherigen Erfahrungen ausdrücklich ansprechen.
Wie erreichst du die Sucht & Drogen Hotline?
Die offizielle BIÖG-Seite nennt für die Sucht & Drogen Hotline die Nummer 01806 313031. Sie ist täglich von 8 bis 24 Uhr erreichbar und kostet 0,20 Euro pro Anruf aus Festnetz und Mobilfunknetz. Das Angebot richtet sich an Betroffene ebenso wie an Angehörige und andere nahestehende Menschen.
Die Fachkräfte geben Orientierung, beraten bei Rückfällen und können in örtliche Hilfsangebote vermitteln. Du musst am Telefon keine fertige Diagnose präsentieren. Du kannst schildern, warum du aufhören möchtest, was bisher schwierig war und welche Unterstützung dir fehlt. Persönliche Behandlungsschritte und medizinische Entscheidungen gehören bei Bedarf in einen anschließenden fachlichen Kontakt.
Prüfe die offizielle Seite für aktuelle Erreichbarkeit und Gebühren. Ältere Angaben im Internet nennen teilweise andere Zeiten oder Mobilfunkkosten; maßgeblich ist die verlinkte aktuelle Anbieterinformation. Bei akuter Gefahr oder schweren medizinischen Beschwerden ist die Hotline nicht die richtige Notfallversorgung. In solchen Situationen darfst du nicht auf ein Beratungsgespräch warten.
Was ist bei Entzug oder einem Rückfall wichtig?
Entzugssymptome oder erneuter Konsum sind Gründe, die Unterstützung zu überprüfen, nicht dich abzuwerten. Die klinische Übersicht von Connor und Kollegen beschreibt, dass Entzug den erneuten Konsum begünstigen kann.
Ein Beratungsgespräch kann klären, ob bisherige Hilfen ausreichen und welche Belastungen zusätzlich behandelt werden sollten, statt den Verlauf als bloßes Willenskraftproblem zu betrachten.
Ein Überblick über Cannabisentzug und typische Beschwerden hilft bei der Orientierung, ersetzt aber keine Untersuchung. Wenn du stark beeinträchtigt bist, kaum schlafen kannst oder weitere Substanzen eine Rolle spielen, hole ärztlichen Rat ein. Alkohol oder beruhigende Mittel eigenständig als Ersatz einzusetzen, kann zusätzliche Risiken schaffen und erschwert die medizinische Einordnung.
Bei Suizidgedanken, Halluzinationen, erheblicher Verwirrtheit oder unmittelbarer Gefährdung brauchst du sofortige professionelle Hilfe. Bei akuter Gefahr rufe 112. Psychische Symptome sollten nicht pauschal als normale Umstellung abgetan werden; die Informationen zu Cannabis und Psychosen erklären einen wichtigen Risikobereich.
Onlineberatung kann eine notwendige akute Versorgung nicht übernehmen.
Legale Alternative: CBD
CBD ist keine Entzugstherapie und kein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung eines Cannabisentzugs. Der Abschnittstitel bezeichnet ausschließlich eine rechtliche Produkteinordnung, keine gesundheitliche Empfehlung. Wenn du aufhören möchtest, ist der Wechsel zu CBD-Produkten kein Ersatz für Beratung, ärztliche Abklärung oder eine individuell passende Behandlung deiner Beschwerden und möglicher Begleiterkrankungen.
Rechtliche Einordnung, Stand 31.10.2026: Cannabidiol ist nach § 1 Nr. 8 KCanG vom Cannabisbegriff ausgenommen. Das bedeutet keine allgemeine Verkaufsfreigabe sämtlicher CBD-Erzeugnisse.
CBD-Lebensmittel benötigen eine Novel-Food-Zulassung; maßgeblich sind die EU-Verordnung und die Informationen des BVL. Der Verkauf von CBD-Blüten an Endverbraucher ist rechtlich umstritten.
Der Verweis auf das rechtlich einzuordnende CBD-Sortiment des Shops dient nur der Produktorientierung, nicht als Therapieempfehlung. Die Einschränkungen erklärt CBD und Recht.
Häufige Fragen zum Thema
Ein erstes Beratungsgespräch verpflichtet dich nicht zu einer bestimmten Behandlung. Du kannst zunächst Fragen klären und passende Möglichkeiten besprechen. Ob darüber hinaus Psychotherapie oder medizinische Betreuung sinnvoll ist, hängt von deiner Belastung und möglichen Begleiterkrankungen ab.
Quit the Shit ist ein cannabisspezifisches Informations- und Beratungsangebot, auf das drugcom verweist. Es unterstützt Menschen, die ihren Konsum verändern möchten. Es ist keine medizinische Notfallversorgung und kann dir keinen bestimmten Verlauf oder dauerhaften Erfolg zusichern.
Sie untersucht mit dir Zusammenhänge zwischen Situationen, Gedanken, Gefühlen und Konsumverhalten. Ziel ist, problematische Muster zu erkennen und andere Reaktionen zu erarbeiten. Welche Inhalte und welches Behandlungsformat passen, wird individuell besprochen; nicht alle Menschen profitieren gleich.
Ja. Die offizielle Sucht & Drogen Hotline nennt Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich als Zielgruppe. Du kannst dich über Hilfen informieren und deine eigene Belastung besprechen, ohne die Verantwortung für die Veränderung der anderen Person zu übernehmen.
CBD ist keine zugelassene Behandlung für Cannabisentzug und wird hier nicht als Ausstiegshilfe empfohlen. Eine rechtliche Einordnung von CBD-Produkten sagt nichts über einen therapeutischen Nutzen aus. Wenn du Entzugssymptome oder starkes Verlangen hast, sind Beratung und gegebenenfalls medizinische Abklärung die geeigneten Anlaufstellen.
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